Meißner Widder havannafarbig als beliebteste Rasse

Der Sieger der Aktion „Rassekaninchen des Jahres“ steht fest: Mit etwas über zwanzig Prozent aller abgegebenen Stimmen wurden die Meißner Widder havannafarbig sehr knapp auf den 1. Platz gewählt. Platz 2 belegen die Japaner und Platz 3 die Rheinischen Schecken.

Meißner Widder havannafarbig © rkz-forum.de

Nachfolgend einige Erläuterungen zum Ablauf der Wahl sowie eine kurze Vorstellung der Siegerrasse.

Ablauf der Wahl
Die Wahl lief von Montag, 7. Januar, bis Sonntag, 3. Februar 2013. Gewählt werden
konnte entweder per Post über die Fachpresse (Kaninchenzeitung, Redaktion Berlin), über die vom ZDRK eigens eingerichtete Internetseite (www.rassedesjahres.zdrk.de) oder per Stimmkarte bei der 24. Bundes-Rammlerschau am 2. und 3. Februar in Oldenburg (die Ausgabe der Stimmkarten erfolgte am Eingang und die Karten konnten dann bis Schauende am ZDRK-Informationsstand abgegeben werden).
Alle Stimmen, die über die Interseite abgegeben werden, liefen beim Webmaster des ZDRK, Michael Lederer, zusammen. Nach Ende der Aktion wurden die abgegebenen Stimmen sowohl in der Redaktion der Fachpresse als auch vom Webmaster des ZDRK und vom ZDRK-Referenten für Öffentlichkeitsarbeit  nach Schließung der Tore der Bundes-Rammlerschau ausgezählt und zusammengeführt.

Ergebnis der Wahl
Nachdem in der Vergangenheit bereits die weniger gezüchteten aber auch schon die „starken“ Rassen im Vordergrund standen und immer versucht wurde, eine Vielzahl von Farben und Typen unserer Kaninchen zur Auswahl zu stellen, wurden in diesem Jahr vom
ZDRK-Referenten für Schulung und Zuchtwesen, Bernhard Große, wieder „Alte Kaninchenrassen“ ausgewählt. Die Festlegung, was ganz allgemein „Alte Deutsche Haustierrassen“ sind, erfolgt nach Vorgabe des zuständigen Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nach dem Tierzuchtgesetz.

Folgende Rassen und Farbenschläge standen zur Wahl: Meißner Widder havannafarbig, Deutsche Großsilber gelb, Rote Neuseeländer, Japaner, Rheinische Schecken, Alaska, Luxkaninchen, Marburger Feh, Russen schwarz-weiß und Angora schwarz.

Insgesamt wurden 1.209 Stimmen abgegeben (343 bei der 24. Bundes-Rammlerschau, 50 per Briefwahl über die Redaktion in Berlin und 816 per Internet. Davon waren insgesamt vier Stimmen ungültig, weil keine oder mehrere Rassen angekreuzt wurden).

Bei der Internetabstimmung lagen die Meißner Widder havannafarbig und die Rheinischen Schecken im ständigen Wechsel lange Zeit vorn. Bei der Bundes-Rammlerschau in Oldenburg holten dann aber die Japaner stark auf, waren dort mit Abstand die am meisten gewählte Rasse und konnten sich somit noch auf den zweiten Platz vorschieben.
Die Meißner Widder havannafarbig bekamen 20,1 Prozent der Stimmen (243, davon 61 bei der Bundes-Rammlerschau, 2 Briefwahl und 180 Internet). Platz 2 belegten knapp dahinter die Japaner mit 19,1 Prozent der Stimmen (231, davon 115 bei der Bundes-Rammlerschau, 13 Briefwahl und 103 Internet). Dahinter folgen mit deutlichem Abstand die  Rheinischen Schecken mit 13,5 Prozent der Stimmen (163, davon 34 bei der Bundes-Rammlerschau, 8 Briefwahl und 121 Internet). Mit weiterem Abstand folgten auf Platz 4 die Roten Neuseeländer (10,3 Prozent) vor Alaska (9,3 Prozent), Marburger Feh (9,2 Prozent) und Russen schwarz-weiß (5,8 Prozent). Abgeschlagen auf dem letzten Platz lagen die Deutschen Großsilber gelb mit 1,9 Prozent.

Bei der Wahl über das Internet hatten sich auch in diesem Jahr wieder Wähler aus dem Ausland beteiligt. Dies könnte daran liegen, dass aufgrund der Werbung für diese Aktion in den letzten Jahren hierfür auch im Ausland Aufmerksamkeit erzeugt wurde.

Öffentlichkeitsarbeit
Nachdem das Ergebnis nun hier in der Fachzeitung veröffentlicht wurde, erfolgt gleichzeitig auch die Bekanntgabe auf der Internetseite „www.rassedesjahres.zdrk.de“ und auf den Seiten der beteiligten Internetplattformen. Daneben wird das Ergebnis der Wahl mit begleitenden Informationen als Maßnahme der Öffentlichkeitsarbeit nach außen an diverse Fernseh- und Rundfunksender, an die Deutsche Presseagentur (dpa), die diesee Meldung an die Redaktionen der einzelnen Tageszeitungen streuen wird, sowie verschiedene Zeitschriften für Hobbytiere gegeben.

Hierdurch soll intensiv Werbung für die Rassekaninchenzucht auch außerhalb der Rassekaninchenzüchter gemacht werden, um die Akzeptanz für unser Hobby weiter zu erhöhen bzw. auch eventuell neue Mitglieder für die Organisation zu gewinnen. Daneben soll jedes Jahr erneut auf eine einzelne Rasse ein besonderes Augenmerk gelegt werden.

Auch im vergangenen Jahr wurde von den Medien wieder über die Wahl berichtet bzw. es wurde die Siegerrasse genannt und in Kurzform dargestellt.

Der Termin für die Wahl wurde auch in diesem Jahr bewusst so gelegt, dass die Veröffentlichung des Ergebnisses noch rechtzeitig vor Ostern erfolgen kann und somit auch von den örtlichen Kaninchen-/Kleintierzuchtvereinen entsprechende Werbeaktionen in der Lokalpresse rund um Ostern möglich sind. Erfahrungsgemäß sind die Redaktionen der Lokalpresse um diese Zeit recht sensibel für die Rassekaninchenzucht und auch an Texten und Fotos rund um unser Hobby interessiert.

Dank für die Unterstützung dieser Aktion
Dank gilt der Redaktion der Kaninchenzeitung, den Interportalen „Rassekaninchenzucht-Forum“ (www.rkz-forum.de),  „Kleintiernews“ (www.kleintiernews.de), „Fachforum Rassekaninchenzucht“ (www.frkz.de)  und „Kaninchenzucht“ (www.kaninchenzucht.de) sowie den LV, KV, Clubs und Vereinen, die einen entsprechenden Banner auf ihre Homepage setzten, der auf diese Aktion hinwies, für ihre Unterstützung. Vom RKZ-Forum stammte der Aktions-Banner, der auf der Internet-Sonderseite und auch in den Internetportalen veröffentlicht wurde. Weiterhin wurden vom „RKZ-Forum“ Entwürfe sowohl für die Kurzbeschreibungen der zur Wahl stehenden zehn Rassen als auch für den Rassebericht der Siegerrasse gefertigt. Für diese vorbildliche Unterstützung und Mitarbeit herzlichen Dank!

Siegerrasse
Der Meißner Widder wurde vom Kaufmann und Buchhalter Friedrich-Karl-Leopold Reck Ende des 19. Jahrhunderts in der Porzellanstadt Meißen erzüchtet und zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Somit gehört dieses Kaninchen also zu einer der ältesten deutschen Kaninchenrassen. Zunächst handelte es sich um einen schwarzen Farbschlag. Der Grund für die Erzüchtung dieser Rasse lag am Modetrend der damaligen Zeit, denn von der Pelzindustrie wurden große Kaninchenfelle in der Silberfarbe nachgefragt. Deshalb wollte Reck ein großes Kaninchen mit Silberfarbe züchten und hat als Ausgangstiere vermutlich Französische und Englische Widder mit Kleinsilberkaninchen gekreuzt.

Nach einigen Versuchsjahren konnte Reck im Januar 1900 die ersten Tiere in Widdertyp mit Silberung vorweisen, was die Geburtsstunde der Meißner Widder war. Es gab natürlich einige Rückschläge, weil es nur schwer und schrittweise gelang, die Silberung mit dem Widdertyp zu vereinigen. Es konnte jedoch das Zuchtziel, einen größeren Pelzlieferanten mit Silberfell zu schaffen, erreicht werden. Damit war das typische Rassemerkmal, die Kombination des Widdertyps mit der Farbe der Silberkaninchen, gelungen. Die Meißner Widder sind die einzige Kaninchenrasse, die den Widdertyp und die Silberung vereinen. Zunächst gab es die Farbschläge schwarz und blau und erst später kamen weitere Farbschläge hinzu.

Die Havannafarbe in Verbindung mit der Silberung machen den Reiz dieses Farbenschlages aus. Die Verbreitung ist derzeit zwar nicht sehr gut, jedoch ist zumindest auf den großen Ausstellungen ein Aufwärtstrend festzustellen. Auch bei den Zuchttieren ist in den letzten Jahren eine kontinuierliche Zunahme zu verzeichnen. Bei der letzten Zuchttierbestandserfassung konnten über 100 Zuchttiere registriert werden.

Der Meißner Widder ist ein mittelgroßes Kaninchen mit einem Normalgewicht von über 4,50 kg, einem Mindestgewicht von 3,50 kg und einem Höchstgewicht von 5,50 kg. Die schönsten Tiere befinden sich im Bereich zwischen 5,0 bis 5,5 kg. Die Form dieses Kaninchens unterscheidet sich gegenüber dem Deutschen Widder dadurch, dass sie weniger gedrungen und massig ist. Das Tier soll sich leicht gestreckt, mit gewölbter Rückenlinie, breiter Brust und breiter, gut abgerundeter Hinterpartie präsentieren.

Die Läufe sind kräftig und breit gestellt sowie gerade aufgesetzt, wodurch sich eine mittelhohe Stellung des Körpers ergibt. Das Fell ist dicht mit einer guten und gleichmäßigen Begrannung und weist eine Haarlänge von etwa 3 cm auf. Der Kopf ist widderartig. Die Behanglänge beträgt 36 bis 42 cm. Als Farbschläge kommen schwarz, blau, havannafarbig, gelb und graubraun vor. Der Farbenschlag havannafarbig ist nach schwarz der am meisten gezüchtete Farbschlag beim Meißner Widder. Die Deckfarbe ist am ganzen Körper gleichmäßig gesilbert mit reichlichem Glanz.

Der Meißner Widder ist ein sehr frohwüchsiges Kaninchen, ein guter Futterverwerter und liefert ein sehr schmackhaftes Fleisch.

 

Wolfgang Elias, ZDRK-Referent für Öffentlichkeitsarbeit